Aktuelles, Experten - geschrieben von dp am Donnerstag, April 3, 2025 16:53 - noch keine Kommentare
Litfaßsäule 4.0: Resiliente Krisenkommunikation in Darmstadt
Die energieautarke „Litfaßsäule 4.0“ soll Menschen in den Städten auch im Krisenfall weiterhin informieren
[datensicherheit.de, 03.04.2025] Die klassische, seit mehr als 170 Jahren bekannte Litfaßsäule erfährt nun eine Renaissance als Warnmultiplikator. Die Idee dahinter: „Wenn bei einem langanhaltenden Stromausfall andere Kommunikationsmedien wie Mobilfunk, Internet oder Fernsehen ausfallen, kann die energieautarke ,Litfaßsäule 4.0‘ Menschen weiterhin informieren.“ Am 2. April 2025 nahmen das LOEWE-Zentrum „emergenCITY“, die Technische Universität Darmstadt und das Medienhaus Ströer den in einer gemeinsamen Forschungskooperation entstandenen Prototypen auf dem Riegerplatz in Darmstadt in Betrieb. Neben der technischen Erprobung sollen wissenschaftliche Untersuchungen nun im Anschluss zeigen, wie die Darmstädter diese Warnsäule wahrnehmen.

Foto: Dr. Joachim Schulze (TU Darmstadt)
Litfaßsäulen bieten einige Vorteile für eine innovative Fortentwicklung: Sie gehören zum Stadtbild – deutschlandweit rund 65.000
Auch im Krisenfall rundherum gut informiert – das Prinzip der „Litfaßsäule 4.0“
Bei der Inbetriebnahme hoben der hessische Wissenschaftsminister, Timon Gremmels, und die hessische Digitalministerin,Prof. Dr. Kristina Sinemus, die Bedeutung dieser Innovation in ihren Grußworten hervor:
- „Im LOEWE-Zentrum ,emergenCITY’ arbeiten die Forschenden an Lösungen, die in Krisenfällen einen Notbetrieb sicherstellen und schnelle Hilfe und die Rückkehr zur Normalität ermöglichen sollen“, so Gremmels. Die „Litfaßsäule 4.0“ nutze auf innovative Weise ein bekanntes Alltagsobjekt für die Krisenkommunikation. Damit zeige dieses Projekt eindrücklich, „welche wichtige Rolle unsere Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen für die Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit spielen“.
- „Rundherum immer gut informiert, auch im Krisenfall – das ist das Prinzip der ,Litfaßsäule 4.0‘“, betont Sinemus und führt aus: „In einer zunehmend digitalisierten Welt müssen wir sicherstellen, dass unsere Infrastrukturen auch im Krisenfall funktionsfähig bleiben.“ Hierzu leiste die Forschungsarbeit von „emergenCITY“ einen wichtigen Beitrag und darauf solle mit ihrem „Zentrum für digitale Resilienz in Katastrophen“ aufgebaut werden.
Darmstadt mit der „Litfaßsäule 4.0“ Vorreiterin der resilienten digitalen Notfallkommunikation
- Der Darmstädter Oberbürgermeister, Hanno Benz, kommentiert: „Als Wissenschaftsstadt Darmstadt freuen wir uns, mit der ,Litfaßsäule 4.0‘ Vorreiterin in der resilienten digitalen Notfallkommunikation zu sein.“ Mit dieser innovativen Lösung könnten die Menschen in ihrer Stadt zuverlässig in besonderen Situationen gewarnt und informiert werden.
- Bau- und Ordnungsdezernent Paul Georg Wandrey unterstreicht die Rolle für den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz: „Das 21. Jahrhundert ist von Krisen geprägt. Wir sollten auf die nächste Katastrophe vorbereitet sein.“ Im Notfall müssten sie gewährleisten können, dass sie alle Stadtbewohner zuverlässig erreichen. Die resiliente Notfallkommunikation sie hierzu ein zentraler Baustein.
„Litfaßsäule 4.0“ als Leuchtturmprojekt unter Federführung der TU Darmstadt
- Seit 2020 beschäftigen sich Forscher des LOEWE-Zentrums „emergenCITY“ mit der Frage, wie resiliente Informations- und Kommunikationssysteme dazu beitragen können, Menschen besser auf Katastrophen vorzubereiten. „Es ist ein Leuchtturmprojekt unter Federführung der TU Darmstadt, das von der Grundlagenforschung bis hin zum Transfer das zukunftsrelevante Thema der Digitalen Resilienz in den Fokus rückt“, erläutert Prof. Dr. Matthias Oechsner, Vizepräsident der TU Darmstadt.
- „Digitale Technologien müssen unsere Gesellschaft dabei unterstützen, resilienter zu werden!“, ergänzt Prof. Dr. Matthias Hollick, wissenschaftlicher Koordinator von „emergenCITY“. Mit LOEWE „emergenCITY“ arbeite man an diesem Ziel, und er freue sich, dass sie mit der „Litfaßsäule 4.0“ Teile ihrer Forschung zu den Menschen auf die Straße bringen könnten.
„Litfaßsäule 4.0“ aktiv, wenn Mobilfunknetze, Festnetztelefonie, Internet und Fernsehen schwarzfallen
Blackouts, also großflächige, lang andauernde Stromausfälle, sind zwar äußerst selten. Doch angesichts steigender Bedrohungen durch Naturkatastrophen oder geopolitische Konflikte einerseits, durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung andererseits sind insbesondere Kritische Infrastrukturen (KRITIS) verwundbar: Fällt der Strom länger aus, können weder Mobilfunknetze, Festnetztelefonie, Internet noch Fernsehen ausreichend mit Notstrom versorgt werden. Sie stünden für die Krisenkommunikation dann nicht mehr zur Verfügung.
Auf der Suche nach geeigneten Medien für einen solchen Notfall stieß demnach der Architekt und „emergenCITY“-Wissenschaftler Dr. Joachim Schulze auf einen Klassiker der Außenwerbung – die Litfaßsäule: „Die in Städten gleichmäßig verteilten Säulen bieten einige Vorteile: Sie gehören zum Stadtbild, allein 155 gibt es in Darmstadt, deutschlandweit sind es rund 65.000. Im Gegensatz zu anderen digitalen Außenmedien befinden sie sich in Wohnquartieren, in der Kernstadt nur 300 Meter zu Fuß entfernt“, so Schulze, Initiator der „Litfaßsäule 4.0“.
Traditionelle Aufgabe der Litfaßsäule, Bürger über Amtsmitteilungen oder wichtige und dringende Nachrichten zu informieren
Alexander Stotz, „CEO“ der Ströer Media Deutschland GmbH, ergänzt: „Die Litfaßsäule ist ein Stadtmöbel mit einer sehr langen Historie, einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung und einer unverwechselbaren Präsenz in unseren Städten.“ Schon immer war es die Aufgabe der Litfaßsäule, Bürger über Amtsmitteilungen oder wichtige und dringende Nachrichten zu informieren. Durch die neue Möglichkeit der digitalen Darstellung der Motive könnten Außenmedien in Echtzeit kommunizieren.
Sie übernähmen daher heute immer mehr zusätzliche Aufgaben und zählten durch die Anbindung an das Warnsystem des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mittlerweile zur Warn- und Sicherheitsinfrastruktur im Öffentlichen Raum. Viele tausend Screens bundesweit sind bereits an das System angeschlossen und können so durch Warnmeldungen – zum Beispiel der örtlichen Krisenstäbe – unterbrochen werden, um die Bevölkerung in Echtzeit und mit hohem Reichweitenaufbau zu informieren.
„Litfaßsäule 4.0“ – nächste Weiterentwicklung eines Kultmediums
„Die ,Litfaßsäule 4.0‘ ist die nächste Weiterentwicklung des Kultmediums und ein wichtiger weiterer Baustein, um Service- und Infrastrukturleistungen im Öffentlichen Raum für Städte und Kommunen und deren Bevölkerung bei einem Blackout anzubieten“, untestreicht Stotz. Als eines der führenden Medienhäuser in Deutschland sähe man sich in einer gesamtgesellschaftlichen Pflicht gegenüber den Bürgern, diese Mehrwerte in den Medien zu implementieren.
„Darüber hinaus bieten Litfaßsäulen die baulichen Voraussetzungen zur Integration der Technologie“, erläutert Schulze. In einer seit Oktober 2023 bestehenden Forschungskooperation entwickelten die „emergenCITY“-Forscher gemeinsam mit Ströer den Prototypen. Weitere Partner wie die Wissenschaftsstadt Darmstadt, Darmstadt Marketing GmbH sowie die Feuerwehr Darmstadt seien einbezogen worden.
„Litfaßsäule 4.0“ als Erweiterung bestehender Litfaßsäulen
Die „Litfaßsäule 4.0“ ist eine Erweiterung für bestehende Litfaßsäulen, bei dem das bestehende Kapitell durch einen neuen Aufsatz ersetzt wird, der mit drei LED-Displays ausgestattet ist, welche Informationen und Warnungen von Behörden anzeigen können. Betrieben wird die digitale Anzeige durch eine Methanol-Brennstoffzelle der SFC Energy AG, welche auch als Sponsoringpartner gewonnen werden konnte.
Zwei Photovoltaikmodule auf dem Dach sollen den Stand-by-Betrieb des Empfängers sichern, den die Feuerwehr per Funk ansteuern kann. Bei einem Stromausfall könne die „Litfaßsäule 4.0“ bis zu 72 Stunden betrieben werden. Perspektivisch solle dieser neue Warnmultiplikator auch in das Modulare Warnsystem des Bundes integriert werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen und technische Erprobung der ersten „Litfaßsäule 4.0“
In den kommenden sechs Monaten sollen nun Wissenschaftler von „emergenCITY“ sowie dem ebenfalls an der TU Darmstadt angegliederten und in Gründung befindlichen Anwendungs- und Transferzentrum Digital Resilience Xchange (DiReX) zunächst untersuchen, wie die „Litfaßsäule 4.0“ von den Stadtbebewohnern angenommen wird. Dazu seien unter anderem Umfragen, Zählungen sowie Mensch-Computer-Interaktionsstudien geplant.
Gemeinsam mit Ströer, der Feuerwehr, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Darmstadt Marketing GmbH sollen weitere Tests erfolgen. Im Hinblick auf das langfristige Ziel unterstreicht Stotz abschließend: „Wenn Sicherheitskommunikation funktionieren und alle erreichen soll, muss so ein Projekt großflächig ausgerollt und umgesetzt werden – idealerweise deutschlandweit. Das funktioniert perspektivisch nur gemeinsam mit den Städten.“
Weitere Informationen zum Thema:
Loewe emergenCITY auf YouTube, 03.04.2025
#impressions: Aufbau Litfaßsäule 4.0
emergenCITY, 23.08.2024
Darmstadt Marketing und Feuerwehr unterstützen Litfaßsäule 4.0
emergenCITY, 28.03.2024
Die Litfaßsäule 4.0 / Joachim Schulze im Interview mit dem OOH!-Magazin
TECHNISCHE UNIVERSITÄT DARMSTADT, 13.09.2024
Litfaßsäule 4.0: von der Werbung zur Warnung / Innovative Lösung des LOEWE-Zentrums emergenCITY
STRÖER BLOG, 08.11.2023
Litfaßsäule 4.0 – Weiterentwicklung unserer Warninfrastruktur
datensicherheit.de, 13.09.2024
Lokal angepasste Warnkonzepte: Leitfaden für Praktiker der Warnung vorgestellt / Warn-Leitfaden als Ergebnis der Zusammenarbeit des BBK mit Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie den lokalen Feuerwehren der Städte Ludwigshafen und Mannheim
datensicherheit.de, 08.12.2023
Taxi-Dachmonitore: BBK richtet neuen Kommunikationsweg für Warnungen ein / Bund, Länder und Kommunen können nun auch Taxi-Dachmonitore nutzen, um die Bevölkerung zu warnen
Aktuelles, Experten - Apr. 3, 2025 16:53 - noch keine Kommentare
Litfaßsäule 4.0: Resiliente Krisenkommunikation in Darmstadt
weitere Beiträge in Experten
- 14. Deutscher Seniorentag 2025: DsiN-Forderung nach Stärkung Digitaler Teilhabe
- Nur 1 von 10 Unternehmen wähnt sich in KI-Fragen als Vorreiter
- Dringender Branchenappell zum Glasfaser- und Mobilfunkausbau an Digitalministerkonferenz
- Wahrung der Grundrechte im Fokus: 109. DSK beschließt Forderungen an künftige Bundesregierung
- BGH-Urteil zu Meta-Datenschutzverstoß: Verbraucherzentrale Bundesverband gewinnt Verfahren
Aktuelles, Branche, Veranstaltungen - Apr. 3, 2025 15:05 - noch keine Kommentare
Web-Seminar am 10. April 2025: NIS-2 als Teil eines integrierten Managementsystems
weitere Beiträge in Branche
- Digitale Souveränität Europas: IT-Sicherheit „Made in EU“ als Basis
- Google Play Store: Hunderte bösartige Apps aufgespürt
- Nur 4 Länder verbesserten sich 2024: Europas Datenschutz weiter im Krisenmodus
- Cyberresilienz: Empfehlungen für die Entscheiderebene
- PCI DSS 4.0: Datensicherheit stärken mit Phishing-resistenter MFA
Branche, Umfragen - Dez. 21, 2020 21:46 - noch keine Kommentare
Threat Hunting: Bedeutung und Wertschätzung steigt
weitere Beiträge in Service
- Umfrage: 71 Prozent der IT-Entscheidungsträger besorgt über Mehrfachnutzung von Passwörtern
- Fast die Hälfte der Unternehmen ohne geeignete Sicherheitsrichtlinien für Remote-Arbeit
- Umfrage: Bedeutung der Konsolidierung von IT-Sicherheitslösungen
- TeleTrusT-Umfrage: „IT-Sicherheit im Home Office“
- Cybersicherheit: SANS-Studie zu Frauen in Führungspositionen
Kommentieren